Gedanken zur Klimarettung

Wir wollen das Klima retten, das Weltklima. Gar nicht so einfach, das ist so groß. Wir müssen im Kleinen anfangen, heißt es. Alle Veränderungen haben einmal klein angefangen. Wenn wir im Kleinen anfangen, dann werden andere dazu kommen, werden andere mitmachen, heißt es.

Eine schöne Theorie. Sie ist auch wahrscheinlich richtig: wenn wir anfangen, dann werden andere kommen und mitmachen. Aber – das „Aber“ ist ein böses Wort, es negiert, was vor ihm steht um nur gelten zu lassen was nach ihm kommt – aber das hilft nicht, das dauert in diesem Fall zu lange. Die Zeit haben wir nicht. Die Zeit, in der wir mit Babyschritten hätten anfangen können, ist längst vorbei. Wir brauchen Änderungen jetzt!

Es hilft dem Weltklima nicht, wenn ein paar deutsche Studenten von nun an mit dem Fahrrad zur Uni fahren statt mit dem von Oma finanzierten Sportwagen. Es hilft dem Weltklima nicht, wenn ein paar deutsche Helikoptermuttis von nun an ihre lieben Kleinen nicht mehr mit dem 200 PS SUV zu Schule fahren, sondern ihnen vor der Haustür einen Abschiedskuss geben und sie auf den Weg schicken. Es hilft dem Weltklima nicht, wenn wir in Deutschland die saubersten und jüngsten Kohlekraftwerke der Welt abschalten und verschrotten und dafür den Wald mit Unmengen riesiger Windmühlen vollbauen, die heute den Wald , die Tierwelt und das Grundwasser gefährden und nie mehr ganz abgebaut werden sollen, sondern deren riesige Betonfundamente auch nach Betriebsende im Boden bleiben werden und weiterhin Waldentstehung unmöglich machen. Es hilft dem Weltklima nicht, wenn wir in unserem kleinen Deutschland irgendetwas nur bei uns tun.

Was könnte man den Großes tun? Was hätte mehr Effekt, als unser Klein-Klein?

Deutschland alleine hat keinen wirklichen Einfluß auf das Klima, anderes zu glauben ist nicht nur Selbstüberschätzung, das ist schlichtweg Größenwahn. Wenn man etwas ändern kann, dann auf europäischer Ebene. Hier geht es um Dinge, die nicht mehr nationalstaatlich zu regeln sind. Wie sollen wir denn das Klima nationalstattlich retten oder europäische oder gar multinationale Konzerne regulieren? Europa kann etwas ändern. Wie?

Ich hätte da so ein paar Ideen:

i) Verbot von Flügen mit einer direkten Flugstecke (Luftlinie) von weniger als 3000 km. Für diese relativ kurzen Strecken kann man Züge und Busse benutzen. Ausnahmeregelung für Strecken über Wasser, die nicht durch Landstrecken ersetzbar sind, also zu Inseln: Flüge kürzer als 3000 km sind zulässig zu Inseln oder anderen Kontinenten, die nicht auf dem Landweg erreichbar sind; diese Flüge dürfen aber sowohl auf der Startseite wie auch auf der Zielseite nicht mehr als 200 km (direkte Verbindungslinie) über Land führen.

Nicht unbedingt bequem, aber sehr wirksam.

Es gibt damit fast keine innereuropäische Flüge mehr. Die absolut unsinnigen Verbindungen von Frankfurt nach Berlin, Hamburg nach München oder auch nach Wien werden verboten. Auch Zürich, Madrid, Barcelona, Rom, Paris oder Palma de Mallorca würden dann von Deutschland aus per Zug, Bus, oder im letzten Fall per Bahn und Flug oder Bahn und Fähre besucht.
Das Verbot gilt für die EU. Flüge, die nicht diesen Vorgaben entsprechen erhalten keine Überfluggenehmigungen über das Gebiet der EU.

Es würde leer am Himmel – und der Ausstoß an Treibhausgasen würde merklich reduziert!

ii) Verbot von Schiffen die mit Schweröl betrieben werden. Sowohl Frachtschiffe wie auch große Kreuzfahrschiffe fahren zur Zeit auf offener See zu einem sehr großen Teil mit Schweröl. Dreckiger kann man Vortrieb nicht erzeugen! Nur in Häfen und wenn sie „gesehen werden“ schalten sie den Antrieb auf relativ sauberen Schiffsdiesel um. Solche Schiffe dürfen keinen Hafen der EU mehr anlaufen, nicht mehr durch Hoheitsgewässer der EU-Staaten fahren und ihre Fracht darf nicht mehr – auch nicht über Drittstatten in die EU verbracht werden.

Diese Regelung, genau wie die oben genannte Flugregelung, gilt selbstverständlich auch für jede Art staatlicher Transporte und Reisen von Regierungsmitarbeitern. Von der Schiffsregelung gibt es keine Ausnahmen, auch nicht für militärische Schiffe. Von der Flugregelung sind Handlungen zur nationalen Verteidigung, zum Katastrophenschutz und zur Katastrophenhilfe ausgenommen. Der Mitflug von Regierungsmitgliedern ist nur im Verteidigungsfall zulässig.

iii) Flugzeuge und Flugzeugtreibstoff werden entsprechend  Kraftfahrzeugen gemäß ihrer Umweltbelastung besteuert. Dabei ist  für die Flugzeuge der Vergleich zu den Kraftfahrzeugen nach Sitzplätzen beziehungsweise Nutzlast durchzuführen. Für den Flugzeugtreibstoff gemäß der Umweltbelastung. Es ist dabei in jedem Fall sicherzustellen, daß der Preis einer Reise pro Sitzplatz des zu ¾ gefüllten Transportmittels immer im umwelt- und resourcenschonendsden Transportmittel deutlich günstiger ist als alle andern Möglichkeiten.

Iv) Fernflüge werden beschränkt, es sei denn sie werden mit extrem kraftstoffsparenden Fluggeräten durchgeführt. Zu den extrem kraftstoffsparenden Fluggeräten können nach heutigem Stand der Technik nur Luftschiff- /Blimp-Konstruktionen oder Großmotorsegler gezählt werden.

Für alle nicht extrem kraftstoffsparenden Fluggeräte werden Kontingente pro Person und pro Firma eingeführt. Diese Kontingente sind prinzipiell für alle Menschen und Firmen gleich. Diese Kontingente sind knapp, sehr knapp zu bemessen; nur so können sie helfen.

Für alle vorgenannten Regelungen ist es unerheblich, ob es sich um eigene Fluggeräte oder um gemieteten Geräte oder Sitzplätze handelt.

v) Verbot von Palmöl und Ethanol aus Anbaugebieten in denen in den letzten 50 Jahren Wald in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt wurde. Die weltweite Waldfläche schrumpft in den letzten Jahrzehnten in einem unvorstellbaren Maß durch Rodung für Plantagen. Das Weltklima braucht Wald, braucht jeden einzelnen Baum.

Staaten, die sich auch intern und in Beziehungen außerhalb der EU an diese oben genannten Regeln halten, können Handelspartner der EU werden. Mit Staaten, die sich nicht an diese Regeln halten, wird die EU keinen Handel oder sonstigen Austausch betreiben. Sie erhalten auch keinerlei Hilfen.

Wenn also die USA mit der EU Handel treiben wollen, dann werden auch die inneramerikanischen Flüge (bis auf die Pazifikinseln und Alaska) eingestellt und die amerikanischen Kreuzfahrtschiffe werden sauber werden. Entsprechendes gilt für Russland und China.

Das widerspricht jeder Art von Globalisierung.
 Das ist unbequem.
Das führt zu großen Veränderungen in der Weltwirtschaft.
Stimmt.
Und: das hilft!
Das ist machbar.
Das stimmt auch!

Vielleicht müssen dazu internationale Konzerne aufgelöst werden. Wenn diese multinationalen Konzerne aufgelöst werden, ist das für die Menschheit und besonders die Menschlichkeit sicher kein großer Verlust. Sie waren es in den letzten 100 Jahren und sind es heute, die die sogenannte dritte Welt ausbeuten, die für die Verarmung der Tier- und Pflanzenwelt sorgen und die maßgeblich dafür sorgen, daß die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht. Wenn z.B. Nestlé nicht mehr in Indien, Pakistan und Afrika Brunnen aufkauft um das Wasser dann in Flaschen an die Menschen zu verkaufen, die vorher ein paar hundert Meter weiter aus eigenen Brunnen aus genau den nun von den großen Brunnen trockengelegten Schichten ihr Wasser pumpten, ist das so wenig ein Verlust, wie wenn Monsanto nicht mehr Samen von patentierten Getreiden verkauft, die selbst keine fruchtbaren Samen mehr erzeugen können und damit Kleinbauern in aller Welt aushungert um den eigenen Gewinn zu steigern.

Sicher müssen wir uns und andere sich klar machen, daß diese Welt Grenzen hat, innere und äußere. Diese Welt ist begrenzt und wir haben nur diese eine. Was wir auf ihr tun hat seinen Preis. Für einiges wird der Preis sofort fällig, für anderes später. Gezahlt wird immer.

Die billige Uhr aus China am Handgelenk, das alljährlich neue Smartphone, die südafrikanischen und indischen Trauben im Frühjahr, die afrikanischen Tulpen im Dezember, die billige Kleidung aus Pakistan, der Kurzurlaub per Flugzeug in Lissabon, Paris oder London, die Flugreise nach Antalya, der kurze Trip nach Moskau, die Kreuzfahrt im Sommer, all das hat seinen Preis. Der Preis heißt Klimaveränderung.

Ein wenig Geschichte: Als mein Urgroßvater sich vor gut 100 Jahren eine Uhr kaufen wollte, kostete das circa einen kompletten Monatslohn eines gut ausgebildeten Arbeiters. Da dann kein Geld mehr zur Ernährung der Familie übrig gewesen wäre, mußte auf eine Uhr über Jahre gespart werden. Hatte man sie dann, wurde gut auf sie aufgepasst. Ging sie kaputt, wurde sie repariert. Die Taschenuhr meines Urgroßvaters hatte ich als Teenager noch. Ihr Innendeckel war voller Reparaturvermerke der Uhrmacher. Als mein Großvater sich kurz vor dem zweiten Weltkrieg eine Armbanduhr kaufte, kostete ihn das fast einen kompletten Monatslohn. Er mußte nicht mehr so lange ansparen wie mein Urgroßvater, denn der Lebensstandard war gestiegen, aber die Familie mußte sich für so eine Anschaffung schon einige Zeit einschränken. Als mein Vater sich Anfang der 1960er eine Armbanduhr kaufte, war sie um einiges günstiger zu haben, aber einen halben Monatslohn kostete sie noch immer. Sie wurde, wenn sie ausfiel noch genau wie die Uhr meines Großvaters und Urgroßvaters repariert. Mitte der 70er in den 1980ern und 1990ern kamen dann die Billiguhren und die Wegwerfmentalität setzte zusammen mit dem weltweiten Handel endgültig ein. Meine ersten Uhren waren Wegwerfuhren. Wenn sie nicht mehr richtig gingen oder das Glas zu viele Kratzer hatte, wurden sie durch neue ersetzt. Eine Reparatur hätte sich nicht gelohnt, es war billiger eine Ersatzuhr aus China kommen zu lassen – oder eine deutsche Uhr mit chinesischem Quarzwerk zu kaufen. Meinen Kindern ist es heute unvorstellbar auf eine Uhr ein oder zwei Jahre zu sparen.
Seit nunmehr fast 20 Jahren trage ich wieder eine mechanische Armbanduhr. Sie ist kein Schmuckstück, sondern ein Arbeitsgerät. Robustes Edelstahlgehäuse mit starkem Saphirglas, funktional und stabil. Sie hat damals ein Monatsgehalt gekostet und würde heute wieder ein – durch Beförderungen und Lohnerhöhungen – gestiegenes – Monatsgehalt kosten. Alle 3 bis 4 Jahre bekommt sie eine Totalrevision, das heißt, ich gebe sie zu einem Uhrmacher des Herstellers, der sie komplett in ihre Einzelteile zerlegt, abgenutzte Teile ersetzt, sie wieder zusammenbaut, schmiert und einstellt. Das kostet alle 4 Jahre so viel wie 4 nicht ganz billige Wegwerfuhren.
(Zur Klarstellung für die, die nun anfangen zu rechnen und zu raten: Die Uhr hat Anfang 2000 circa 2500 DM gekostet und ihre Nachfolgerin kostet heute circa 4000 €, die lebenserhaltende Totalrevision kostet circa 400 €.)
Diese „teure Uhr“ kostet mich so viel wie billige Uhren und so viel, wie eine Uhr die letzten 100 Jahre immer gekostet hat. Sie schont die Umwelt, denn hergestellt wurde sie in der Schweiz und gewartet wird sie in Deutschland. Sie hat in den letzten 19 Jahren als Müll einen Satz Zeiger, eine Krone, 3 bis 4 Zahnrädchen aus Messing und Stahl und ein Dutzend kleine Dichtungsringe produziert, sonst nichts. Sie hilft hoch qualifizierte Arbeitsplätze hier und in der Schweiz zu erhalten. Sie ist gut für die Umwelt – und das Klima.

Ähnlich wie mit meiner Uhr können wir es mit vielen Dingen machen, angefangen vom Küchenmesser, das wir hochwertig herstellen und nachschleifen, bis zum Computer, den wir modular aufbauen und reparabel herstellen können. Gute Möbel aus Holz halten Jahrzehnte und man kann sie durchaus mehrfach verändern statt alle paar Jahre die komplette Wohnungseinrichtung auf den Müll zu werfen.

Wie schon weiter oben bemerkt: Diese Welt ist begrenzt und wir haben nur diese eine. Was wir auf ihr tun hat seinen Preis. Für einiges wird der Preis sofort fällig, für anderes später. Gezahlt wird immer. Und: Kinder haften für ihre Eltern.

Aber die Kinder haften nicht nur für ihre Eltern, sie haften auch für sich selbst. Und sie sollten bedenken, daß eines Tages ihre Kinder ihnen die Fragen stellen und die Vorwürfe machen werden, die sie heute ihren Eltern stellen und machen.

Es ist einfach zu verbieten, was einen selbst nicht betrifft, und zu fordern, was einen selbst nicht stört. Aber das ist kindisch Denkweise, kurzfristige Denkweise.
Diese Denkweise ist sehr beliebt. Politiker, die stets von mehreren schwerbewaffneten Bodyguards umgeben sind, verbieten dem normalen Volk den Besitz von Schusswaffen, ja mittlerweile sogar schon von kleinen Taschenmessern, wenn diese mit einer Hand zu öffnen und feststellbar sind. Gut verdienende Großstädter mit einem gut ausgebauten und funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, die in den Urlaub fliegen, verbieten der normalen Bevölkerung die Diesel-Pkw und verteuern den Treibstoff, damit der auf dem Land noch immer alternativlose Individualverkehr immer teurer und damit uninteressanter werden soll. Die selben Großstädter befürworten die Engergiewende mit immer stärkerem Ausbau der Windkraftanlagen ohne Plan und Vernunft. Die Naturzerstörung sehen sie nicht – oder wenn sie sie sehen, verstehen sie sie nicht. Sie wollen Strom, immer mehr Strom, mit dem dann so sinnlose Dinge wie das „Schöpfen von Bitcoins“ betrieben werden. Aber der Strom soll sauber sein, nicht aus den sichersten Atomkraftwerken der Welt, nicht aus den saubersten Kohlekrafwerken der Welt, sondern aus Windkraftanlagen, die aber bitte nicht auf den Dächern der Innenstadthochhäuser und auch bitte nicht in einem direkten Windenergiegürtel um die Städte herum stehen sollen, sondern außer Sichtweite, auf dem Land…

Es ist  nicht leicht, dem Sankt-Florians-Prinzip zu widerstehen („Oh heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andere an!“), aber es ist notwendig.

Lasset uns beginnen!