Film Toaster – eine neue alte Erfindung

Die Welt ist rund und somit wiederholt sich vieles nach einiger Zeit wieder.
In den USA macht gerade ein neues Gerät von sich reden, das als der Königsweg zur Digitalisierung von Dias und Negativen gefeiert wird – zumindest von seinen Herstellern.  Es kostet in der Grundversion 1699 USD und ist in mehrern Ausbaustufen bis hin zur betriebsbereiten Komplettversion für 3200 USD zu haben. Sein Name ist „Film Toaster“ und es ist die Wiederauferstehung des guten alten Diakopieransatzes für Spiegelrefelxkameras.

Vereinfacht gesagt ist es eine schwarze Blechkiste an deren einem Ende eine LED-Lichtquelle und an deren anderem Ende ein Gewindering zum Anschluß des Frontgewindes eines Makroobjektivs angebracht ist. Die Blechkiste selbst hat seitlich mehrere Schlitze zum Einschub diverserer Negativhalter in Formaten von 4″x5″ über Rollfilm bis hin zu Kleinbild. Die Schlitze sind für den Namen verantwortlich: so wie man das Toastbrot zum Frühstück in den Toaster schiebt, so schiebt man hier die Negativ- oder Diahalter in den „Film Toaster“ (nach englischer Schreibweise ohne Bimdestrich, nach deutscher Schreibweise wohl eher Filmtoaster, oder wenigstens Film-Toaster, aber bis zu einer Übersetzung ist der Hersteller noch nicht vorgedrungen…).

Die Lichtquelle liefert 5000 K, die Anschlußplatten sind für Filtergewinde von 52 bis 72 mm erhältlich. Die Einschübe für die Filmhalter sind zwischen 10 und 18 cm vom Gewinde, also dem Frontende des Macorobjektivs, entfernt. Unbenutzte Einschübe werden von magnetisch haftenden Abdeckungen verschlossen. Das ganze Gerät kann man mit einem der drei Statingewinde in verschiedenen Richtungen auf ein Stativ oder Schienensystem montieren oder einfach kopfüber mit der Lichtquelle unten und dem Kameraanschluß oben auf einen Tisch stellen. Die Lichtquelle wird mit Batterein oder Netzadapter betrieben. Alternativ zur LED-Lichtquelle kann man den Film-Toaster auch mit einer Opalscheibe und dahinter einer anderen Blitz- oder Dauerlichtquelle betreiben. Das Grundgerät ist circa 15 cm x 15 cm x 23 cm groß und 1,7 Kg schwer.

Die mittlere Version („Archivist“) für 2199 USD wird mit einer Grundplatte für den Film-Toaster, einer Grundplatte mit Erhöhungsmodul für das Kameragehäuse und einem Schienensystem, um Kamera und Film-Toaster darauf zu montieren, geliefert. Für gut 1000 USD mehr gibt es dann das Komplettsystem mit gebrauchter Nikon D5300 und Nikkor 2.8/55 Macroobjektiv dazu. Wenn man  bequem arbeiten will, empfiehlt sich noch – wie bei Videoaufnahmen üblich – ein kleiner Monitor zur größeren Betrachtung des Sucherbildes.

Soweit die Zusammenfassung der Herstellerangaben. Ich habe das Gerät noch nicht im Original gesehen und somit auch noch nicht Hand an es legen können. Die Angaben zur Herstellung und Qualität klingen gut, der Preis horrend. Sehen werde ich es hoffentlich im September während der Photokina, falls Europa den amerikanischen Herstellern als lohnender Markt erscheint…

Was kann das Gerät?

Zur Beantwortung dieser Frage ist es an sich gar nicht nötig, das Gerät zu testen. Daß der „Blechkasten“ qualitativ hochwertig und exakt gefertigt ist, setze ich auf Grund des Preises voraus. Daß die LED-Lichtquelle konstant und über die Fläche gleichmäßig leuchtet, setze ich auf Grund des Preises ebenfalls voraus. Wäre das nicht so, würde es die mögliche Qualität der Digitalisierung verringern.

Prinzipiell wird die Qualität der Digitalisierung durch das verwendete Objektiv und die verwendete Kamera bestimmt und begrenzt. Diese sind aber prinzipiell frei wählbar und eigentlich nicht Teil des Systems.

Die im Komplettpaket angebotene Nikon D5300 liefert mit ihrem 24 Megapixel Sensor 6000 px x 4000 px im Seitenverhältnis 3:2. Das und nur das kann sie – ein entsprechend gutes Macroobjektiv vorausgesetzt – aus dem Dia oder Negativ herausholen. Das wird sie aus jedem Dia oder Negativ  herausholen, vorausgesetzt das Seitenverhältnis des Originals stimmt mit dem des Sensors überein. tut es das nicht, holt sie weniger heraus. Zur Verdeutlichung: Aus einem KB-Dia wird ein 6000 x 4000 Bild, aus einem Rollfilmdia 6×9 wird ebenso ein 6000 x 4000 Bild. Das große Rollfilmformat wird also nur wie das Kleinbilddia digitalisiert. Auch aus dem maximal zu verarbeirtenden 4″x5″ Original wir nur ein Bild mit einer Höhe 4000 px und einer entsprechenden Breite. Für der 6×17 Neativ wird es furchtbar, es bleibt ein 6000 px breites aber nur 1300 px hohes Bild übrig. Mehr zu diesen Formatüberlegungen unter www.drumscan.de unter „Scannerinfo“ oder direkt www.drumscan.de/7.htm.
Ersetzt man die Kamera durch eine Nikon D810 mit einem Vollformatchip von 36.3 Megapixeln und somit 7360 px x 4912 px , wird die Auflösung etwas höher und ersetzt man sie durch eine Sony A7Rii mit 42.4 Megapixeln oder 7952 px x 5304 px wiederum etwas höher. Meine Reihe endet heute hier, wird aber in nicht allzuferner Zukunft wohl fortzusetzen sein.
Begrenzender Faktor dürfte hier die Qualität eines für Digitalchips geeigneten Macroobjektivs sein, da die heute vorhandenen wirklich guten Macroobjektive noch (größtenteils) aus der Analogära stammen und somit nicht den idelaen (steileren) Einfallswinkel für Chips haben.

Für ein Kleinbilddia wären die 42.4 Megapixel eine Auflösung die den Betrachter an die Welt des Filmkorns heranführt und entsprächen nominell etwa 5600 spi an Scannerauflösung. Für das 6×9 Dia wäre es eine gerade noch brauchbare Auflösung entsprechend etwas mehr als  2300 spi. Für ein 9×12 oder 4×5 Dia oder Negativ wird die Auflösung uninteressant klein und fällt unter die Werte eines guten Flachbettscanners. (Zu den Unterschieden zwischen Scannerauflösung eines zeilenweise abtatsenden Systems mit drei einzelnen Farbzeilen und Kamerauflösung mit einem RGB-Chip schreibe ich demnächst eine gesonderten Artikel…)

Der gute Flachbettscanner, der zusammen mit gebrauchten Nikon-Scannern der Coolscan Serie und dem zur letzten Photokina auf dem Markt erschienenen Mittelformatscanner MF5000 von Reflecta die preisliche Alternative zum Film-Toaster sein dürfte, hat allerdings längst nicht den Dynamikumfang einer hochwertigen DSLR oder Systemkamera und somit des Film-Toasters.

Problematisch ist beim Film-Toaster, wie auch bei den Nikon oder Reflecta Scannern die Filmhalterung, also das Durchhängen oder die Welligkeit des Films. auch wenn hier das Macroobjektiv schon einiges mehr an Tiefenschärfe zu bringen vermag als der Filmscanner, der identische Filmhalter verwendet. Aber Achtung: Abblenden hat erstens in der Macrophotographie eine andere Wirkung als bei normalen Abbildungsmaßstäben und ist zweitens in dem hier angesprochenen hochauflösenden Digitalbereich nicht endlos förderlich, da die hohe Auflösung der Sensoren nur geringe Abblendung zuläßt ohne daß Beugungsunschärfe wieder das Bildergebnis verschlechtert.

Also ist der Film-Toaster nun der Königsweg zum digitalisierten Analogbild oder doch nicht?

Nein, der Königsweg ist es nicht. Es bleibt alles wie es schon vorher war: der Königsweg ist der (nasse) Trommelscan. Mehr Auflösung und mehr Dynamikumfang als mit einem hochwertigen Trommelscanner mit optimaler Einstellung ist nicht möglich. Kurz dahinter kommt der trockene „virtuelle“ Trommelscan eines Hasselblad (Imacon) Flextight Scanners. Hier wird der Film über eine „Lufttrommel“ gebogen und unter Spannung genau in seiner Schärfeebene mit einem hochwertigen Macroobjektiv zeilenweise abgetatstet. Platz 3 der Scantechnikhierarchie könnte allerdings schon von einem Gerät wie dem Film-Toaster eingenommen werden, vorausgesetzt die verwendete Kamera arbeitet in der Klasse oberhalb der 36 Megapixel und es werden Kleinbildvorlagen gescannt. Schon beim Scannen von Rollfilmformaten ist die erzielbare Auflösung an sich zu gering. Der Film beeinhaltet wesentlich mehr, als der Kamerasensor erfassen kann.

Man kann mit dem Film-Toaster dann natürlich noch spielen und tricksen: Verwendet man das Gerät mindetsens mit dem in der mittleren Version mitgelieferten Schienensystem oder vielleicht sogar noch mit einem noch weiter verstellbaren – und sehr stabilen – System, kann man natürlich auch ein Mittelformatdia in mehreren Teilbildern aufnehmen und diese dann später per Photoshop oder anderer geeigneter Bildbearbeitungssoftware stitchen, also wieder zu einem Bild aneinandersetzen. Damit kann man die Auflösung erhöhen, erhöht aber auch ganz gewaltig den Arbeistaufwand pro Bild.
Und damit schließt sich der Kreis wieder und ich komme da an, wo ich am Anfang angefangen habe. Beim guten alten Diaduplikator, mit dem, solche Spiele auch schon möglich waren und den ich, unter anderem deshalb schon vor Jahren in der ersten Version meiner Internetseite www.drumscan.de als Hobbyisten-Gerät beschrieben habe, das viele Möglichkeiten bietet, aber nur etwas für Leute ist, die ihre Arbeitszeit nicht berechnen, da sie die Digitalisierung ihres Analogarchivs als Hobby betreiben.
Die Welt ist rund und somit wiederholt sich vieles nach einiger Zeit wieder…

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Ich verkaufe den Film-Toaster nicht, stehe in keinerlei Beziehung zu seinen Herstellern und profitiere weder von seinem Erfolg noch von seinem Mißerfolg. Ebenso steht es mit Trommelscannern oder Geräten der Firma Hasselblad. Markennamen von Kamera- oder Softwareherstellern verwende ich nur informationshalber und beispielhaft. Den Film-Toaster und sein Zubehör kann man im Internet unter www.filmtoaster.photography finden, allerdings nur in englischer Sprache.