Kaufberatung Scanner: Hasselblad – Imacon – Flextight

Anscheinend halten mich einige Menschen für eine vertrauenswürdige Quelle wenn es um Anwendungstipps und Kaufberatung zu Scannern, insbesondere zu Hasselblad – Imacon – Flextight Scannern, geht.  Ich erhalte in regelmäßigen Abständen Anfragen, ob man sich denn dies oder jenes gerade hier oder dort angebotene Gebrauchtgerät zu dem aufgerufenen Preis zulegen sollte oder doch besser nicht.

Ich bin keine Autorität auf dem Gebiet des Gebrauchtscannerkaufs, ich bin nur ein Anwender, der seit ein paar Jahr(zehnt)en mit diversen Scannern arbeitet und das Glück hatte in dieser Zeit einiges ausprobieren zu dürfen und mit schlauen Leuten reden zu dürfen. Ich selbst habe mich 2010 dazu entschieden einen Hasselblad Flextight X1 neu zu kaufen und arbeite seitdem hauptsächlich mit diesem Gerät. Ich halte diesen Scanner für den besten derzeit erhältlichen (trockenen) Scanner für Rollfilme, Kleinbildfilme und kleine Planfilme. Sein großer Bruder Flextight X5 hat nominal eine etwas höhere Auflösung für Kleinbildfilme, die sich aber bei Messungen mit Testdias fast nicht verifizieren läßt und eine höhere Arbeistgeschwindigkeit. Diese höhere Arbeitsgeschwindigkeit erkauft man sich mit einer, durch sein leicht abgewandeltes Beleuchtungssystem bedingten, etwas weicheren Bildwiedergabe und und einen erheblich höheren (fast doppelt so hohen)  Einkaufspreis. Der Flextight X1 ist seit Jahren anscheinend der meistverwendete Scanner bei professionellen Landschaftsfotografen – die Kollegen werden wissen warum!

Die Technik aller Flextight Scanner, das Durchbiegen des Vorlagenhalters, der sogenannte virtuelle Trommelscan, ist allen anderen trockenen Scanverfahren bezüglich der Bildschärfe weit überlegen. Kein anderes (trockenes) Scanverfahren ist in der Lage ohne Newtonsche Ringe oder Unschärfe durch Rauhglas eine geleichmäßige Schärfe im gesamten Bildfeld zu garantieren.

Diese Technik wurde nun aber nicht erst mit den Hasselblad Modellen X1 und X5 eingeführt, es gab vor Ihnen einen ganze Reihe Imacon Scanner mit eben dieser Technik, der X1 und X5 stellen nur den derzeitigen Höhepunkt der Entwicklung dar.

Nach dieser kurzen Einführung nun zur eigentlichen Frage zurück: Soll man einen historischen Imacon Flextight Scanner kaufen?

Die Antwort ergibt sich für mich in aller Regel aus dem Alter der Geräte und der Notwendigkeit einer regelmäßigen Wartung. Die Scanner sind von Imacon / Hasselblad absolut auf Stabilität und Langlebigkeit ausgelegt. Dennoch sind es mechanische Geräte, die einem gewissen Verschleiß unterliegen. In diesen Scannern bewegt sich einiges an hochpräziser Mechanik. Abgesehen von Kunststofflagern und Kunststoffzahnrädern, die sich mit der Zeit abnutzen, sind es vor allem die Transportriemen, die mit der Zeit ausleiern, durch langes unbenutztes Stehen in einer bestimmten Form steif werden und irgendwann einmal reißen werden. Auch die Lichtquellen haben nur eine beschränkte Lebensdauer. Die CCD-Zeile und Elektronik an sich ist auf einige Jahre ausgelegt, aber nach 20 Jahren sind auch dabei Ausfälle nicht wirklich verwunderlich.

Ein Alter von 20 Jahren bedeutet in Gerätenamen übersetzt etwa einen  Imacon Flextight Precision oder einem Precision II oder einem Imacon Flextight Photo.  Der Imacon Flextight Precision hatte eine optische Auflösung von bis zu 4800 dpi für Kleinbild und 2400 dpi für Rollfilme. Der Imacon Flextight Precision II kam 1997 auf den Markt und lieferte eine optische Auflösung von bis zu 5760 dpi für Kleinbildfilm. Der Imacon Flextight Precision III, sein leicht veränderter Nachfolger, hatte praktisch schon die inneren Werte des Hasselblad Flextight X1 (KB bis 6300 dpi, Rolfilm bis 3200 dpi, 4×5″ bis 2040 dpi, 16 Bit, CCD Sensor 3 x 8000), war aber in der Bildlänge auf 17cm und in der Dateigröße auf 1.2 GB bechränkt (die letzten beiden Punkte würden ihn für mich unbrauchbar machen, da ich sehr oft Rollfilmstreifen mit 22,5 cm Länge zu Bilddateien von 1.4 GB scanne – was Panoramaaufnahmen des Formates 6×24 entspricht). Der Imacon Flextight Photo  ist ein relativ kleiner handlicher Scanner mit bereits der noch heute üblichen CCD Auflösung von  3 x 8000, aber auf Grund seiner Baugröße nur für 3200 dpi sowohl für Roll- als auch für KB-Filme eingerichtet.

Solche 15 bis 20 Jahre alten Geräte verlangen auch nach entsprechend alter Anschlußtechnik: SCSI ist hier Standard, USB oder FireWire sind Fremdworte (FireWire wurde ab dem Precision III mit angeboten und ist für die Flextight 343, 646, 848 und 949, die Nachfolgemodelle, Standard). Die Steuerprogramme müssen ebefalls aus der Zeit stammen und fordern wiederum entsprechende Betriebssysteme. Hasselblad bietet auf seiner Internetseite Altversionen der Steuersoftware FlexColor an, übernimmt jedoch keine Gewähr für Lauffähigkeit unter aktuellen Betriebssystemen. Ein Umbau der SCSI Modelle auf FireWire oder USB ist nicht möglich und weder Hasselblad noch anerkannte Reparaturzentren geben Empfehlungen welche Adapter funktionieren könnten. Es ist dies ein weites Feld zum Basteln und Probieren…

Wird nun ein gebrauchter Hasselblad  Flextight X1 oder X5 angeboten, so kostet er meist 60 bis 90 % seines Neupreises und ist damit den meisten Hobbyisten zu teuer. Auch die direkten Vorgänger Imacon Flextight 848 oder 949 liegen meist in der Preisklasse 60 bis 90 % des Neupreises, was jeweils Summen deutlich oberhalb 6000 € entspricht. Die kleineren FireWire Modelle 343 und 646 habe ich in den letzten Jahren nicht auf dem Gebrauchtmarkt gesehen. Vermutlich liegt das daran, daß sie meist von noch immer analog arbeitenden sparsamen Photographen gekauft wurden und dort „ewig“ verwendet werden, währen die teurer und schnelleren Modelle 848 und 949 eher von Bildagenturen und Dienstleistern gekauft wurden. Damit haben sie allerdings auch, wenn sie denn auf den Gebrauchtmarktkommen meist eine recht hohe Laufleistung hinter sich. Leider kann man den Scannern ihre (Lebens-) Laufleitsung nicht ansehen. Die neueren Versionen des Steuerprogramms FlexColor fragen zwar die Anzahl der Scans des Gerätes ab, allerdings nur seit der letzten Wartung.

Den angebotenen Scannern fehlen in der Regel die Netzteile – oder sie funktionieren nicht mehr richtig.

Günstiger zu haben sind in aller Regel die älteren SCSI Scanner. Hier wenden Preise ab 800 € aufgerufen. Diesen Scannern fehlt fast immer das Netzteil und eine Wartung bei Hasselblad haben sie die letzten 10 Jahre oder länger nicht erlebt. Es sind sehr selten Modelle aus erster Hand, sie haben meist schon mehrfach den Eigentümer gewechselt.  Sie laufen unter alten Versionen der Steuersoftware FlexColor und verlangen Rechner mit Windows 95 oder älter oder PowerMac G4 und Artgenossen zur Steuerung. Sie verfügen nicht über die hochgelobte Fähigkeit der aktuellen Modelle zum 3F-Scan, sondern werden klassisch über einen Prescan eingestellt und scannen dann nach dieser Einstellung.

Eine Wartung und Ersatzteilversorgung wird von Hasselblad nur noch für die Modelle X1 und X5 angeboten. Für alle älteren Modelle kann man in der Regel die Leuchtröhren bei speziellen Händlern und angeblich passende Antriebsriemen im Internet bei diversen chinesischen Ersatzteilhändlern erhalten. Ein Lampenwechsel ist mit etwas technischem Verständnis, etwas Fingerspitzengefühl und der passenden alten Bedienungsanleitung in aller Regel problemlos möglich. Beim Riemenwechsel wird es da schon komplizierter. Er ist auch nicht als vom Benutzer auszuführen vorgesehen…

Es geht dabei nicht nur um die eigenen Fähigkeiten und das eigne technische Verständnis, es geht immer auch und ganz besonders um die Historie des jeweiligen Gerätes: wer hat es schon mit wie viel Sachverstand aufgeschraubt und daran herumgebastelt, wie oft wurde schon die falsche Klemmschraube gelöst und ungefähr an der richtigen Stelle wieder fixiert? Fragen, die man vielleicht bei einem Gerät aus erster Hand noch beantwortet bekommt, aber wenn es schon mehrfach den Besitzer gewechselt hat?

Seit ein paar Jahren wird auch für die SCSI Modelle eine komplette Wartung von einem ehemaligen Hasselblad Mitarbeiter in Dänemark angeboten. Man liest gute Kritiken zu seiner Werkstatt im Netz, persönlich habe ich keinerlei Erfahrung mit ihm und seiner Werkstatt. Inwieweit er jedoch in der Lage ist längerfristig Ersatzteile, besonders auch im Bereich der Elektronik, bereitzustellen und die 20 und mehr Jahre alten Geräte zu reparieren halte ich für sehr fraglich. Interessant ist, daß auch er keine Tipps für Adapter z den SCSI Geräten abgibt.

Nun denn, nach all diesen Überlegungen ein Versuch zur Antwort:
Soll man kaufen?
Es kommt darauf an.
Es kommt darauf an, wieviel Taschengeld man zum Spielen hat, wieviel das angebotene Gerät kostet und was man erwartet.

Ich habe einen Scanner zum Arbeiten, nicht um an ihm herum zu basteln und mich tagelang mit seinen Macken und Unzulänglichkeiten zu befassen. Ich möchte meinen Rechner starten, meinen Scanner starten und scannen. Für mich wäre ein Altgerät nichts.
(Würde ich allerdings einen noch gut aussehenden Flextight geschenkt bekommen, würde ich ihn wohl doch nehmen und damit in meiner Freizeit hin und wieder spielen…)

Für alle, die nicht spielen wollen oder nicht soviel Taschengeld für ein vielleicht verwendbares Gebrauchtgerät übrig haben: Ich scanne auch für Kunden. Es ist günstiger als viele denken. Und die Zeit, die Sie beim Basteln an und mit dem Scanner sparen, können Sie in die Bildbearbeitung ihrer Scans stecken…

Schauen Sie mal rein: www.drumscan.de

Meine Empfehlung – nicht ganz uneigennützig – lassen Sie scannen, aber nur als Rohscann und verabeiten Sie die 3F-Dateien des Scanners selbst mit FlexColor weiter. Die Scans sind so billiger, das Programm ist kostenlos von Hasselblad erhältlich und Sie haben die volle Kontrolle über Ihre Scanergebnisse ohne sich einen Scanner kaufen zu müssen.