Warum Film?

Warum Film?
Was sonst?

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich noch immer auf Film photographiere.
Die Antwort könnte ich mir einfach machen: meine Lieblingskamera ist eine Fotoman 624, Format 6 cm x 24 cm. Dieses Format gibt es nur auf Rollfilm.

Ein weites Panoramaformat von 1:4, ganz gleich wie die Maße sind, gibt es nur auf Film. Ein nicht ganz so weites Panoramaformat von 1:3 gäbe es auch digital – wenn man sich denn eine Seitz 6×17 Digital für gut 50000 € leisten möchte – aber das ist ein anderes Thema.

Meine zweite Lieblingskamera ist eine Rolleiflex 6×6. Dieses Format, oder zumindest dieses Seitenverhältnis gibt es auch digital.

Also es bleibt die Frage, warum noch immer Film?

So hat sich mir die Frage eigentlich nie gestellt. Ich habe, wie viele meines Alters, in früher Jugend mit Instamatik- und Pocketkameras angefangen. Nach der legendären Agfa Pocket 4000 sensor, mit der ich durchaus größere Mengen an Diafilmen belichtet habe, folgte dann mit 16 meine erste Kleinbildkamera, das damalige Spitzenmodell von Minolta für den Nichtprofi, die XD7. Es wurde in den folgenden Jahren durch diverse Ferienjobs aus der Kamera ein komplettes System im Wert eines Kleinwagens. Als ich mich dann zum Studium des Fotoingenieurwesens entschied, tauschte ich das Minolta Kleinbildsystem in ein entsprechendes Mittelformatsystem um eine Pentax 6×7 herum. Wir schreiben mittlerweile das Jahr 1989. Im Studium durfte ich mich ausführlich mit der alten Technik der Aufnahme und Verarbeitung von Bildern auf Film und auch mit der aufkommenden Digitalfotografie und digitalen Bildverarbeitung (damals noch EBV – elektronische Bildverarbeitung -genannt) beschäftigen.

Die Verfahren zur digitalen Aufnahme von Standbildern wurden im Laufe der Zeit immer besser und immer günstiger. Im Consumermarket wurden Instamatik, Pocket und ihr Nachfolger APS schon deutlich vor der Jahrtausendwende von digitalen Kleinkameras zu Grabe getragen, ebenso kompakte Kleinbildkameras. Kleinbildspiegelreflexkameras sind vor vielen Jahren gestorben und wurden von entsprechenden digitalen Systemkameras, seien es nun Vollformat oder kleinere Systeme mit oder ohne Spiegel, ersetzt. Die Bildqualität des Kleinbildfilmes wird seit einiger Zeit von digitalen Aufnahmen weit übertroffen. Die Preise der Aufnahmesysteme entsprechen sich dabei – sieht man einmal von der wesentlich kürzeren Systemlebensdauer der digitalen Kameragehäuse ab. Für den ambitionierten Amateur oder Semiprofi hat sich – zumindest bei Neukauf – das kleine Mittelformat (4,5×6) mittlerweile auch erledigt: Die Bildqualität entsprechender digitaler System ist identisch und der Preis auch. Für mehr Geld kann man digital bei gleicher Größe der Geräte die Bildqualität problemlos überbieten.

Um 2015 sind auch die analogen Bastionen 6×6 und 6×7 gefallen. Allein das klassische große Mittelformat 6×9 trotzt noch geradeso den digitalen Systemen, zumindest solange man ein Budget unterhalb des Preises eine Mittelklassewagens zur Verfügung hat.

Nach vielen Jahren mit der Pentax 6×7 suchte ich Mitte der 90er eine „kleine“ und handlichere Kamera dazu – natürlich mit entsprechender Bildqualität. Meine Wahl fiel auf eine Rolleiflex 2.8 GX – nachdem ich eine Contax „Hosentaschenkamera“ und das Leica M System wegen des Kleinbildfilms abgelehnt hatte.

Die Pentax 67 (das „x“ von 6×7 war beim Zweitgehäuse inzwischen gestrichen worden) verließ mich dann, als eine Fotoman 624 einzog. Die „kleine“ 6×6 von Rollei ist geblieben und hat mittlerweile noch ein paar Geschwister in Form von Rolleicord Vb bekommen.

Eine Digitalausrüstung von Nikon ist seit Jahren auch im Haus, aber ausschließlich für den dienstlichen Einsatz wenn es sehr auf Zeit oder ganz wenig auf Qualität ankommt.

Also Film nur wegen der Bildqualität?

Film auch und ganz besonders wegen der Bildqualität der großen Formate aber keineswegs nur deshalb:

Film ist analog. Ich bin analog. Menschen sind anlalog und die Welt in der wir leben ist analog.

Was ist das „anlaog“?

Analog ist stufenlos, unterbrechungsfrei, kontinuierlich, unendlich fein, eins.

Der Mensch fühlt sich im analogem Lichtspektrum der Sonne oder einer Glühlampe am wohlsten – allen Energiesparlampen und LEDs zum Trotz. Der Mensch hört analoge Musik am liebsten (oder die mit viel Aufwand „verlustfrei“ didgital aufbereitete und somit fast analog erscheinende). Digital ist immer stufig, abzählbar, abgehackt. Das Digitalsignal ist praktisch immer „sauberer“ als das analoge, aber es ist unnatürlich. Manchmal zu sauber, zu rein, zu steril.

Das digitale Bild muß immer feiner auflösen als das analoge damit seine Stufigkeit, seine Ordnung nicht erkannt wird. Es muß täuschen, vortäuschen es wäre nicht stufig. Eine analoge Unschärfe wird viel leichter akzeptiert als eine digitale Stufigkeit und die daraus resultierende Unschärfe.

Filmbilder sind mir angenehmer, sie sehen angenehmer aus, haben etwas natürliches, auch dann noch, wenn sie im späteren Verarbeitungsprozess gescannt, also digitalisiert wurden.

Es geht anscheinend nicht nur mir so. Neben den der großen – und seit einiger Zeit wieder ständig wachsenden – Zahl von Filmfotografen bilden selbst die Digitalfotografen mit Filtern Filmkorn nach, versuchen Ihre Bilder analog aussehen zu lassen.

Ich habe nie wirklich einen Grund gesehen ins digitale Lager zu wechseln, Film war mir immer selbstverständlich, nur das Format und die verwendete Technik haben sich gewandelt.

Diese Technik besteht heute außer der Kamera im Besonderen aus der Technik zur weiteren Verarbeitung. Mit dem Wegfall sehr vieler guter Labore zur Diafilmentwicklung und der damit verbundenen Preissteigerung bei den verbleibenden Laboren, wechselte ich vor einiger Zeit zum Farbnegativfilm wegen der einfacheren Verarbeitung. Aktuelle C41 Chemie ist in kleinen Tanks sehr gut zu Hause zu verarbeiten. Sie kann bei relativ niedrigen Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad und handhabbaren Zeiten sicher verarbeitet werden. Man benötigt keine Maschinen.

Ich verwende klassische T-Tanks aus Edelstahl von Hewes mit 2,5 Litern Volumen. Sie sind mit entsprechenden Spulen oder Rahmen vom Minoxformat bis 4×5 Planfilm verwendbar. Die Chemie verwende ich bei 38 Grad, aber weniger wäre möglich.

Entwickelte Filme werden mit einem Hasselblad Imacon Flextight X1 gescannt und dann digital weiterverarbeitet. In Anlehnung an die in der Frühzeit der CDs übliche Nomenklatur ist dies eine ADD Verarbeitung. Analoge Aufnahme, Digitale Verarbeitung, Digitale Speicherung. Mehr dazu unter Digilog in diesem Blog…

(Die traditionelle SW-Dunkelkammer habe ich noch immer, aber der Vergrößerer wird seit vielen Jahren nur noch für Belichtungen von Großformatkontakten benutzt. Einen normalen Abzug habe ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr ausgearbeitet…)

Vielleicht kommen demnächst dann nach der digitalen Verarbeitung dann noch gedruckte digitale Negative im Format 30×40 dazu, von denen ich Kontakte auf Baryt ziehen werde, wer weiß…

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