05.11.2012 – Digital – Analog – Dialog oder gleich Digilog ???

Digilog – die Nuß auf der Platine.

Analoge Verfahren, Verfahren aus einer anderen, aus einer vergangenen Zeit, denken einige, Spielwiese für ewig Gestrige. Weit gefehlt. Das digitale Zeitalter hat schon vor sehr vielen Jahren bei mir Einzug gehalten, lange bevor die meisten Zeitgenossen überhaupt etwas von Digicams wussten, durfte ich mir schon Gedanken über digitale Datensicherheit und die Anwendung der besten Systeme aus beiden Welten, der digitalen und der analogen Welt, machen.

Beide Welten, beide Systeme haben ihre Berechtigung. Mit Vernunft und Bedacht eingesetzt ergänzen sich die Systeme und ermöglichen Dinge, die keines von beiden alleine könnte.

Die alte Diskussion um die Auflösung der Digitalkameras oder ihren Dynamikumfang hat sich längst erledigt. Für die heute übliche Monitorbetrachtung sind die Aufnahmen eines aktuellen Fotohandy in der Regel ausreichend, für postkartengroße Drucke („Fotos“) reicht jede Billigkamera und für für wirklich gute Drucke in Hochglanzmagazinen war schon vor Jahren die Bildqualität der digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) mehr als ausreichend. Für ein Großplakat oder einen Kalenderdruck im Überformat werden die Anforderungen an die DSLR – und damit ihr Preis – etwas höher, ein Problem stellen sie schon lange nicht mehr dar.

Für die Aufnahme eines Schadens, sei es ein Autounfall, ein Einbruch, ein Sturmschaden oder ein Rohrbruch, ist in aller Regel ein digitales Aufnahmesystem ideal. Die digitale Spiegelreflexkamera ist schnell einsatzbereit, die Bilder liegen sofort nach der Aufnahme vor und sind in wenigen Minuten per Upload oder Email einem Schadenregulierer, Gutachter oder auch dem Handwerker zugestellt. Es geht keine Zeit für Entwicklung oder Wege zum Labor verloren.
Auch für Presseberichterstattung ist diese Schnelligkeit ein unschlagbarer Trumpf.

Ein zweiter Vorteil der digitalen Welt ist ihre Bearbeitbarkeit. Die Bilder liegen in einer Form vor, in der sie relativ problemlos bearbeitet, manipuliert, an die momentanen Anforderungen angepasst werden können. Für Werbefotografen liegt hier – abgesehen von der Schnelligkeit – der Hauptvorteil.

Diese Manipulierbarkeit ist auf der anderen Seite aber auch der Hauptnachteil der digitalen Systeme. Ein ungeschulter Beobachter erkennt die Manipulation eines digitalen Bildes schon lange nicht mehr. Ist die Manipulation gut gemacht, kann sie oft auch der Fachmann nur mit detektivischer Kleinarbeit nachweisen.

Mit Manipulation meine ich hier nicht die Veränderung der Farben oder ein Anheben des Kontrastes.
Ich meine Bildverfälschungen: Das Hinzufügen oder wegretuschieren von Bildteilen.
Den Ersatz der unbeschädigten Autotür durch die beschädigte aus einem anderen Foto, das Hinzufügen von Glasscherben neben der aufgebrochenen Terrassentür, die Entfernung von Dellen und Kratzern auf einer historischen Münze.

Noch gehen Gerichte viel zu arglos mit Fotos um. Noch gilt ein Foto per se als Beweis.
In nicht allzuferner Zukunft wird man ein Foto nur noch dann als Beweis anerkennen, wenn man seine Herkunft und seinen Werdegang fälschungssicher nachvollziehen kann. In der digitalen Welt eine nahezu unerfüllbare Forderung.

Sie glauben mir nicht? Sehen Sie sich im Internet ein Gigapixel-Panorama an und suchen Sie die Grenzen der mehr als 2000 einzelnen Fotos aus denen es zusammengesetzt ist. Wenn dann 5 oder 10 dieser Fotos nicht „echt“ sind, sondern an einem anderen Tag entstanden als die restlichen, kann das zu ziemlichen Problemen für den Autofahrer führen, dessen Wagen Sie am Tag des Banküberfalles auf dem Bild direkt vor der Bank sehen – obwohl er in Wirklichkeit erst drei Tage später dort parkte. An gezieltes Einsetzten anderer Inhalte in eines der dort sichtbaren Wohnungfenster möchte ich gar nicht erst denken…

Der Nachweis, daß ein Foto „am Stück“ entstanden ist und nicht nachträglich bearbeitet, manipuliert, wurde ist in der digitalen Welt oftmals praktisch nicht führbar. (Denen, die hier widersprechen gleich zur Antwort: Ja, in vielen fällen ist er doch führbar, aber bei einer gut gemachten Manipulation nur durch Analyse der einzelnen Bildpunkte und ihrer Verteilung. Dazu sind Speziallabore oder das Bundeskriminalamt mit einem sehr großen Rechenaufwand in der Lage. Die Kosten solch einer Analyse eines einzelnen Fotos belaufen sich auf mehrere tausend Euro. Somit ist der Nachweis praktisch nicht führbar und wird für „kleine“ Gerichtsverfahren nicht Betracht gezogen…)

In der analogen Welt gibt es das Negativ oder das Dia. Sie sind entstanden im Moment der Belichtung. Eine Manipulation an diesem materiell vorliegenden Stück Film ist nachweisbar. Normalerweise mit einem Mikroskop mit geringer bis mittlerer Vergrößerung. Der Nachweis, daß ein Dia oder ein Negativ ein Duplikat ist, ist in aller Regel auch mit einem einfachen Mikroskop klar zu führen – außerdem ist die Herstellung eines guten Duplikates sehr sehr schwierig.

Eine dauerhafte Dokumentation, deren „Echtheit“, deren Wahrheitsgehalt überprüfbar sein soll ist durch diese Manipulationssicherheit somit das Gebiet für den Einsatz der analogen Verfahren.

Auch die Lagerfähigkeit spricht klar für die analogen Systeme. Zur Sicheren Lagerung der Kopien kulturhistorisch wichtiger Dokumente wird auch heute noch Mikrofilm verwendet. Das kulturelle Gedächtsnis Deutschland befindet sich auf archivsicher gelagerten Mikrofilmrollen, die mindestens 500 Jahre haltbar sein sollen und ann für die nächsten 500 Jahre wieder auf Mikrofilm kopiert werden sollen. Auch ein guter Teil der beim Einsturz des Kölner Stadtarchiv vernichteten Unterlagen ist dort fotografisch gespeichert.

Es ist heute kein Problem ein über 100 Jahre altes Glasplattennegativ anzusehen, zu vergrößern und auszuwerten. In Millionen von Wohnzimmerschränken ruhen Milliarden von Fotos, Negativen, Dias, die man jederzeit ansehen, auswerten kann.

Seit massenhafter Verbreitung von Digitalen Aufnahmesystemen nimmt die Zahl der nach 10 Jahren noch verfügbaren, verwertbaren Bilder stetig ab. Dies liegt zum einen an der Flüchtigkeit der Speichermedien (eine selbstgebrannte CD hat in der Regel eine Lebensdauer von weniger als 10 Jahren), zum andern aber auch am technischen Fortschritt: Viele Bilddateien werden auf den alten Rechnern und alten Sicherungsfestplatten vergessen, wenn man sich einen neuen Computer kauft.

Bisher sind noch alle digitalen Bildformate von den großen Bildbearbeitungsprogrammen lesbar. Ob dies auch in Zukunft so bleiben wird, oder ob demnächst eine neue Betriebssystem- oder Programmversion einmal nicht mehr hundertprozentig abwärtskompatibel sein wird, weiß niemand.

Alte Datenträger kann man mittlerweile schon oft nicht mehr lesen, weil die Lesegeräte fehlen. Erinnern Sie sich noch an Disketten,“floppy disks“?
Es gab sie einmal in 8″, 5,25″ und 3,5″. Heute findet man manchmal noch die kleine 3,5″ Version. Die größern können noch ein paar EDV-Freaks oder Universitätsinstitute abspielen.

Freunde der Videographie haben schon seit Jahren das Problem, daß sich nicht nur die Magnetbänder aus den 70er und mittlerweile auch die aus den 80er Jahren auflösen, sondern daß es auch für die damaligen Videorecorder keine Ersatzteile mehr gibt.

Daß ein derart primitives Gerät wie ein Diaprojektor einmal nicht mehr reparierbar sein sollte, kann sich wohl niemand vorstellen, der einmal einen alten Handwechsler von Leitz oder Götschmann wie den Prado Universal oder den G67 gesehen hat. Diese Geräte kann jeder Feinmechaniker reparieren, die Ersatzteile werden im Zweifelsfall aus dem vollen Material neu gefräst.
Und selbst ohne Projektor ist ein Dia oder Negativ immer mit einer Lupe vor einem hellen Hintergrund betrachtbar und auswertbar.

Für die weitere Verarbeitung des Bildes ist es dann kein Problem ein solches haltbares Dia oder Negativ mit den jeweils aktuellen Methoden zu scannen, zu digitalisieren. Ist die Qualität des Scanners auf der Höhe der Zeit, wird das Ergebnis dem einer digitalen Aufnahme in Nichts nachstehen.

Die Umsetzung der analog aufgezeichneten Bilder in die digitale Welt ist eine Herausforderung der sich heute nur noch wenige Gerätehersteller stellen.

Einer davon ist die Frima Imacon, bekannter unter dem Markennamen Hasselblad. Seit Jahrzehnten bekannt für professionelle Fotokameras, sei es analog oder digital.

Ich verwende einen Hasselblad Imacon Flextigt X1 Scanner zur Umsetzung meiner analogen Rollfilmaufnahmen in die digitale Welt. Mehr zu dem Scanner, der Scantechnik und den Scanpreisen finden Sie bei www.drumscan.de.

Meine analogen Dias haben eine Bildfläche von bis zu 57 x 225 mm (Format 6×24 cm). Mit einer Auflösung von 3200 dpi gescannt ergibt das als verwertbares Bild 7.000 x 28.000 Bildpunkte. Das sind in den beliebten Megapixeln ausgedrückt 196 Megapixel.
Selbst eine Aufnahme im klassischen Rollei- oder Hasselbladformat 6×6 hat dabei schon 49 Megapixel…
Aktuelle Filmmaterialien halten mit dieser Auflösung Stand und die verwendeten Objektive sind über jeden Zweifel erhaben.

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